Drum Patterns programmieren mit Hydrogen

Drum Patterns programmieren ist kein Hexenwerk, vorausgesetzt, Du hast das nötige Basiswissen. Die geläufigsten Drum Patterns zeige ich Dir in diesem Tutorial.

Starte bitte Hydrogen.

Hydrogen speichert alles, was Du damit creiert hast, in sogenannten Projekten ab – also die Abfolge der Patterns, die Geschwindigkeit, das verwendete Drumkit, die verwendeten Effekte, und ebenso alle anderen Einstellungen. Beim Starten lädt es automatisch das zuletzt gespeicherte Projekt, was praktisch ist, wenn Du über mehrere Sessions am selben Projekt arbeitest.

Da wir hier neu beginnen, wählst Du im Menü „Projekt/neu“. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, das leere Projekt unter einem sinnvollen Namen in einem Verzeichnis zu speichern, wo ich es später gut wiederfinde. Also im Menü „Projekt/speichern“ aufrufen, Verzeichnis wählen, Namen eintippen und bestätigen. Dann kannst Du immer, wenn Du mit Teilergebnissen zufrieden bist, das Projekt speichern. Bei mir drückt die linke Hand immer mal wieder als Reflex auf „Strg+S“, das läuft schon im Unterbewusstsein ab. Hydrogen legt die Projekte mit der Dateiendung „.h2song“ an. Für unser Beispiel habe ich das Projekt „guitar-knowhow.h2song“ benannt. So sieht jetzt das Hydrogen-Fenster aus:

Zuerst laden wir ein interessanteres Drumkit, und das geht so: Du scrollst im rechten unteren Fenster ganz nach unten und lädst das Red Zeppelin Drumkit, wie im letzten Beitrag beschrieben.

Das Tempo lassen wir auf 120 BPM – das kannst Du jederzeit nachträglich ändern. Bei Hydrogen kann man nicht direkt die Taktart, also zum Beispiel 4/4 oder 3/4, festlegen.  Size gibt die „Größe“ des Taktes an, wobei ein Size von 8 merkwürdigerweise 4 Schläge ergibt. Mit RES. legst Du die „Auflösung“ eines Patterns fest: Bei RES. 16 wird kannst Du als kleinste Größe 16’tel Noten eingeben.  Nach meiner Erfahrung ist das ein guter Startpunkt. Etwas komplizierter wird es, wenn Du 3/4 oder 6/8-Rhythmen programmieren möchtest, oder gar so etwas wie 5/4.

Als ich das erste Mal versucht habe, eine Drum-Begleitung zu programmieren, wusste ich nicht, wie gängige Patterns aussehen. Und wie ich aus einigen Gesprächen gelernt habe, geht es auch anderen Gitarristen so – sogar solchen, die jahrelang in Bands gespielt haben. Es ist relativ einfach – man braucht nur etwas Basiswissen über das Drum-Spiel.

Fangen wir mit einem einfachen 4/4 Rock-Beat an. Basis ist immer: Kick auf Schlag 1 und 3, Snare auf 2 und 4:

Laaangweilig, nicht wahr. Nehmen wir eine HiHat dazu, in diesem Fall die offene HiHat zu jedem Beat.

Schon besser, aber immer noch langweilig.

Also auf Schlag 3und noch eine Kick:

Klingt schon vertrauter, nicht wahr? Auf diesem Drumpattern setzen tausende von bekannten Rock-Songs auf. Wenn Du das allerdings für den ganzen Song verwendest, ist es immer noch laaangweilig.

Jetzt kommen kleine Variationen des Grundbeats und die sogenannten Drum-Fills ins Spiel. Es ist üblich – wahrscheinlich passt das zu unseren Hör-Gewohnheiten – alle 4 oder 8 Takte etwas zu verändern. Auch alle 2 Takte geht, ist aber aufwändiger, weil Du mehr unterschiedliche Patterns benötigst. Verändern heißt: Entweder den Grundbeat variieren oder als letzten Takt ein sogenanntes Drumfill einbauen.

Fangen wir mit der Grundbeat-Variation an:

Ich habe die Kick von der 3 einen halben Schlag nach vorne gezogen und die offenen HiHat auf den Vierteln durch eine geschlossene HiHat auf den Achteln ersetzt. Auch nicht schlecht, gell?

Am besten nimmst Du dafür ein zweites Pattern und gibst ihm einen sprechenden Namen, zum Beispiel „Grundbeat 2“.

Und was bitteschön sind Drumfills? Drumfills sind einzelne Takte, die mehr oder weniger stark vom Grundbeat abweichen. Das können zusätzliche Schläge auf die Snare sein, aber auch völlig andere Rhythmen. Hier ein Beispiel:

Ein typischer Aufbau einer Drum-Sequenz könnte so aussehen:

  • Als Intro zum Einzählen ein Takt SideStick auf die Viertel
  • 7 Takte Grundbeat 1
  • 1 Takt Fill 1
  • 7 Takte Grundbeat 2
  • 1 Takt Fill 2
  • usw.
  • Am Ende noch 2 Takte Outro

Du kannst den Grundbeat variieren, indem Du Kick oder Snare oder beide verschiebst oder weitere Schläge hinzufügst. Noch interessanter wird der Song, wenn Du statt alle 8 alle 4 Takte ein Fill bringst und danach den Grundbeat änderst. Deiner Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Es ist alles erlaubt, was gut klingt.

Hier ein kleines Beispiel, das Dich zum experimentieren einladen soll. Einfach mit rechter Maustaste anklicken und mit „Save Link As“ auf Deine Festplatte runterladen. Anschließend mit Hydrogen öffenen.:

testsong

Und last, but not least: Es gibt ja auch noch andere Taktarten als 4/4. Viele Bands wechseln mitten im Song die Taktart, zum Beispiel auf 3/4. Das ist dann gar nicht mehr langweilig. Und im Metal ist es üblich, mit einer Double-Kick zu arbeiten und wahnsinnige Patterns auf der Kick zu spielen.

Zum Schluss möchte ich Dir ein paar Tipps geben, wie Du Dein Repertoire an Drum-Beats erweitern kannst:

  • Kauf Dir Drum-Lehrbuch – damit hatte ich begonnen.
  • Kauf Dir eine Lehr-DVD für Drums – steht auch bei mir im Regal 🙂
  • Kauf Dir ein Schlagzeug – gebrauchte elektronische gibt’s recht preiswert – und experimentiere damit. Hatte ich mal, habe ich wieder verkauft. Leider habe ich nicht genug Zeit für Schlagzeug und Gitarre, und meine Liebe gehört der Gitarre.
  • Lass Dir Tipps von einem Schlagzeuger geben.
  • Such‘ im Internet nach coolen Beats.
  • Höre Deine Lieblings-Songs und achte darauf, was der Schlagzeuger spielt. Das mache ich oft, während ich mit den Hunden spazieren gehe :-). Wahrscheinlich habe ich dabei am meisten gelernt.

Viel Spaß mit dem Komponieren Deiner eigenen Drum-Patterns!